Wie man seinen eigenen Stamm anführt (und der Weg dorthin)
von Schnitter
(Anm: Für diesen Artikel ist es hilfreich, die Comic-Serie "Elfquest" von Richard und Wendy Pini zu kennen)
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Elf sein ist nicht schwer, es zu überleben jedoch sehr.
Glücklicherweise dürfen wir einige Hilfsmittel unser Eigen nennen,
die uns dieses Leben erleichtern. Hohen-gegebene große Ohren zum
verbesserten Lauschen, Senden im Falle von spontanem Sprachverlust im
Angesicht der holden Weiblichkeit und Erkennen zur Ersparnis der Hölle
genannt Partnersuche sind nur ein kleiner Teil davon. Diese Dinge gehören
seit jeher zu den Eigenschaften des Standard-Elfen. Ein jeder hat sie,
ein jeder braucht sie, und keiner würde sie für alle Traumbeeren der
Welt wieder hergeben. Heute will ich jedoch über eine Lebenserleichterung
schreiben, die nicht jeder Elf erlangen kann. Sie benötigt Planung,
Raffinesse, voraussehendes Denken und den inneren Drang sich das Leben
so einfach wie möglich zu gestalten - Charakterstärken, die sich
alle in mir vereinen. Es benötigt die Bezähmung und Verinnerlichung
des inhärenten Wolfes um letztendlich seine Gefährten und Freunde
darauf abzurichten einem jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Durch
das Ziehen von komplex verwobenen Fäden und das Spinnen feiner
Intrigen gelangt man schließlich an das Ziel, das man sich von Anfang
an setzte: den Beruf des Stammesführers. Diesen Weg zu beschreiten bedeutet natürlich gewisse
Opfer zu bringen. Auch braucht es bestimmte natürliche
Voraussetzungen, wie z.B. Kind eines Anführers zu sein oder in einer
hohen Position zu stehen, wenn der Anführer stirbt und kinderlos ist
(bzw. die Kinder des Anführers unglücklicherweise mit ihm in den
Palast ziehen, was eine tragische Verkettung von dummen Zu- und Unfällen
wäre). Während ersteres eher schlecht zu beeinflussen ist, lässt
sich zweiteres mit einigen Tricks leicht erreichen: Eine hohe, autoritäre Position wird am besten durch kluge
Sprüche und weise Worte, sowie eine offensichtliche Bereitschaft
jederzeit für den Stamm in den Tod zu gehen erlangt. Man beachte,
dass diese Bereitschaft nur offensichtlich, jedoch nicht innerlich
wirklich vorhanden sein muss. Ein guter Anführer würde nie das Leben
eines Stammesmitglieds aufs Spiel setzen, weshalb man sich um das
potentielle eigene Ableben generell keine Sorgen machen muss. Mit
dieser Bereitschaft bekommt man schließlich die Achtung und
vielleicht sogar die Liebe des gesamten Stammes. Wichtig ist in dieser
Phase das Senden auf ein Minimum zu reduzieren, da sonst ein unerwünschter
Gedanke zu einem Stammesmitglied transportiert werden könnte, was die
heldenhafte Tarnung zerstören würde. Sollte dies dennoch passieren, so nehme man eine unterwürfige,
bemitleidenswerte Haltung ein. Mit der Beteuerung, dass man täglich
gegen den inneren Wolf kämpfe, sich dieser Gedanken zutiefst schäme
und das eigene Leben zu verwirken so oft biete, eben weil man so ein
Feigling ist und das Gefühl hat, nicht genug zum Stamm beizutragen,
ja, mit dieser Beteuerung – gespickt mit wenigen Tränen und dem
Flehen um Hilfe – verhindert man eine Entehrung und ein Exil aus dem
Stamm. Es ist ratsam die Ambition zum Stammesführer daraufhin vorerst
aufzugeben. Hat man dem Anführer jedoch erfolgreich Honig ums Maul
geschmiert und ist in einer Position des Vertrauens, so kann schon
fast nichts mehr schief gehen. Beim Ableben des Anführers werden alle
Stammesmitglieder sich einig sein, dass man selbst zum neuen Anführer
aufsteigen soll, sofern der Anführer keine Kinder hat. Um das
Fortpflanzen des Anführers zu verhindern mische man sich so oft wie möglich
in dessen Privatleben ein und lasse ihm, im Falle des Erkennens eines
Weibchens, keine Zeit ihr nahe zu kommen, so dass die Beziehung
dadurch zugrunde geht. Die Übernahme des Stammes kann daraufhin schnell
erfolgen. Als noch-Anführer hat der Rivale die Pflicht sein Leben in
jeder Gefahrensituation zu opfern. Als des Anführers Vertrauensperson
kann man sich todesmutig mit dem Anführer in die Schlacht stürzen
– in trauter Zweisamkeit, versteht sich. Ist man schließlich mit
dem Rivalen alleine, so kann die Gefahr genutzt werden ihn um die Ecke
zu bringen. Natürlich soll diese Methode nur im schlimmsten Fall
genutzt werden, wenn die Geduld nicht mehr mitspielt. Normalerweise
begeben sich Anführer so oft in Gefahr, dass deren zügiges Ableben
außer Frage steht. Konnte man den Anführer nun nicht davon abhalten Welpen
zu zeugen, muss man sich auch um diese kleine Unannehmlichkeit kümmern.
Je eher, desto besser. Im Säuglingsalter sind sie noch jung, dumm und
leicht in Gefahr zu bringen. Hierbei muss jede auch nur annähernde
Situation vermieden werden, in der man selbst in Verdacht gerät.
Andernfalls zahlt man schnell mit seinem Leben. Sollte in dieser letzten Phase trotz aller Vorsicht etwas
schief gehen, so hat man dennoch die Möglichkeit doch noch Stammesführer
zu werden. Durch die gut geleistete Vorarbeit ist es gewiss, dass man
zumindest die Sympathie eines Teils des Stammes besitzt. Weiters hat
der zeitgenössische Anführer hat auch immer mit Gegenstimmen und
weiteren Rivalen zu kämpfen, deren man sich bedienen kann. Mit etwas
Wortgewandtheit kann man daher auch im Falle eines Ehrenverlustes
einen Teil des Stammes auf seiner Seite behalten. Man nehme diesen
Teil einfach, ziehe von dannen und gründe seinen eigenen Stamm. Der
Vorteil hierbei ist offensichtlich: Man muss seine finsteren Absichten
nicht mehr verheimlichen, da der gesamte neue Stamm über die eigene
Heimtücke Bescheid weiß. Wenn man diese Schritte schließlich vollzogen hat, kann
man sich stolz Stammesführer nennen. Ab diesem Punkt hat man
praktisch Narrenfreiheit, da die blinde Liebe des Stammes die eigenen
Fehler völlig überdeckt, bzw. da man bei dem selbst gegründeten
Stamm diese Fehler nicht mehr verdecken muss, sondern als positive
Seiten hervorheben kann – Heimtücke wird zum Lebensmotto. Am Ziel angelangt muss man diese Tipps und Tricks stets im
Gedächtnis behalten. Denn nun steht man selbst in der Position der
Rivale zu sein und muss sich selbst und die eigenen Welpen vor
gleichgesinnten Elfen schützen. In diesem Sinne, Schatten (um den Dolch hinterrücks zu verstecken)
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