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Vergissmeinnicht Es
war einmal vor langer Zeit in einem fernen Land ein Mädchen namens
Elisabeth. Sie lebte in einem großen Haus mit ihren Adoptiveltern, die
aus einer wichtigen Aristokratenfamilie stammten. Elisabeth war ein fröhliches
Mädchen, wenn auch manchmal zu zurückhaltend, was ihre Eltern jedoch
nicht störte. “Bescheidenheit ist eine Tugend,”, pflegten sie immer
zu sagen und betrachteten das Kind wohlwollend. So
wuchs Elisabeth geschützt zu einer hübschen jungen Frau heran. Ihr Lächeln
war ein warmer Sommermorgen und ihre Augen glänzende Smaragde, und es
war kein Wunder, dass sie in der Stadt gerne gesehen und viel umworben
war. Ihr Herz, sagte sie sich aber, gehörte einem anderen. Sie wusste
nicht, wer er war, oder ob es ihn überhaupt gab, doch sie schloss
darauf, da kein Werber auch nur einen Teil ihres Herzens für sich
beanspruchen konnte. Ihr Herz sollte für immer niemandem und einem gehören. Als
sie so weit war, fest zu glauben, dass keiner ihr jemals ihr Herz nehmen
würde, kam ein Ritter in die Stadt. Er hatte eine glänzende Silberrüstung
mit roten und blauen Gravuren, war aber noch zu jung, um von den meisten
Stadtbewohnern ernst genommen zu werden. Er strahlte mehr Unerfahrenheit
als Stärke aus. Eines Abends saß er am Rand eines Springbrunnens im
Stadtzentrum um sich von dem langen Tag zu erholen. An diesem Brunnen
kam Elisabeth vorbei. Sie knickste dem Ritter zu und lächelte. Der
Ritter bemerkte zu spät, dass er gemeint war, und rappelte sich hastig
auf, um sich vor der Dame zu verbeugen, stolperte jedoch und landete auf
dem Boden. Erschrocken und auch amüsiert über das kleine Missgeschick,
dass ihr Knicksen verursacht hatte, ging sie zu dem jungen Mann und half
ihm auf. “Ich
danke euch, Mylady.” Elisabeth
lachte und antwortete mit einem einfachen: “Keine Ursache.” Der
Ritter hieß Hemfall. An diesem Abend stahl er ihr Herz. Sie
verbrachten den Sommer zusammen. Hätte man sie nach ihrer schönsten
Erinnerung gefragt, wäre es wohl der warme Abend auf dem Hügel am
Rande der Stadt gewesen. Kein großartiger Abend. Kein erster Kuss, kein
Höhepunkt ihrer Vertraulichkeit, kein geheimes Geschenk oder
Versprechen. Sie hatten den Nachmittag schon auf dem Hügel verbracht
und im Schatten einer großen Eiche in den Himmel geblickt und geträumt.
Die Sonne sank gen Horizont und sie saßen am Fuß der Eiche, er neben
ihr und sie an ihn gelehnt. Ihre Augen waren geschlossen. Seine
richteten sich auf das ferne Land. Sie sprachen kein Wort, und sie
schlief in seinen Armen ein. Der
Herbst kam, und Hemfall musste Elisabeth verlassen. Sein König hatte
alle Ritter zurückgerufen, und Hemfall musste diesem Ruf folgen.
Elisabeths erste Worte, als der Brief kam, waren: “Vergiss mein
nicht.” Hemfall
ritt aus der Stadt, nicht ohne Elisabeth einen Abschiedskuss und das
Versprechen zurückzukommen zu geben. Wieder sagte sie: “Vergiss mein
nicht.” Ein
letztes mal wiederholte sie die Worte, als sie auf dem Hügel stand um
den Weg ihres Geliebten zu verfolgen, bis er außer Sichtweite war.
“Vergiss mein nicht.” Herbst
und Winter vergingen, und Frühling brachte die Hoffnung auf eine
Wiedervereinigung. Im nächsten Frühling zog es Elisabeth auf den Hügel
und sie legte sich unter die Eiche. Am nächsten Morgen war sie
verschwunden. An ihrer statt umringe ein Blumenkreis den alten Baum.
Heute sind die Blumen unter dem Namen “Vergissmeinnicht” bekannt. |