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Der
Fall der Mondgöttin
Einst,
als die Völker noch jung waren und die Allmächtigen zahlreich, stiegen
die Götter von ihrer Heimat in den Sternen hinab auf die Welt und
wandelten unerkannt durch Städte und Dörfer. Diese Ära wird das
Zeitalter des Hohen Schaffens genannt und bestimmte von Grund auf den
Einfluss der Götter auf die Völker. Die Gottheiten erwählten
einzelne, begabte Anhänger und schenken ihnen die Gabe zu Führern
ihres Glaubens zu werden. In dieser Zeit taten sich besonders Kjores,
der Herr des Hammers, Joldar, Gott der Ernte und des Festes, und Elestrá,
Gebieterin der Dunkelheit, und erlangten so den Ruf und die Verbreitung,
die sie heute genießen.
Doch neben den Drei gab es noch eine vierte Göttin, deren Legende im
Wandel der Zeit schon fast untergegangen ist. So groß ihre Taten im
Zeitalter des Hohen Schaffens waren, so früh verblich ihr Name im Gedächtnis
der Völker nach ihrem Fall. Lheilys, die Mondgöttin.
Die Magie der Göttin stand der Elestras um nichts nach, doch im
Gegensatz zu ihrer dunklen Schwester verließ Lheilys ihre Heimat nicht,
um mehr Anhänger zu finden und ihren Einfluss zu vergrößern.
Verglichen mit anderen Gottheiten stieg sie spät auf die Welt hinab,
aus dem einzigen Grund, den Tod ihres Halbbruders Lhóranis aufzuklären.
Als sie herausfand, dass Lhoranis von einem Abkömmling der bösen
Gottheit Klaer getötet wurde, beschloss Lheilys, ihr Ziel auf die Zerstörung
dieser Wesen zu richten.
Sie nahm den Stab des Wanderers auf sich und zog unerkannt durch die
Ebenen. Bald hatte sie durch ihre Taten den Respekt von Freund und die
Furcht von Feind erworben, und nur wenig später kamen Abenteurer, um
sie bei ihrem Kampf gegen das Böse zu unterstützen. Diese Abenteurer
wurden zu Lheilys’ Verbündeten und Freunden und mehr. Lheilys
erkannte, dass sie auch mit Hilfe nie stark genug sein würde, um
wirksam gegen ihre erklärten Gegner vorgehen zu können. In einer Spätsommernacht
offenbarte sie ihren Gefährten ihre wahre Natur. Aus Lheilys, der
Abenteurerin, wurde wieder Lheilys, die Mondgöttin. Ihre Freunde
sprachen nie darüber, was wirklich in jener Nacht geschah, fest steht
jedoch, dass bei Sonnenaufgang aus den Abenteurern die Hohen Priester
und Priesterinnen der Mondgöttin geworden waren. Drei, die Lheilys
vertreten sollten, und die ihre Ziele zu allen Wesen tragen sollten, die
bereit waren, für sie zu kämpfen. Die Hohen Priester machten ihre
Sache gut. Lheilys’ Glauben entwickelte sich zu dem am weitesten
verbreiteten. Für die Abkömmlinge des Bösen, insbesondere die des
Klaer, brachen Jahre des Schreckens an.
Lheilys selbst machte sich in dieser Zeit rar. Sie sammelte ihre Kräfte.
Ein jeder der Hohen Priester trug einen Teil der Göttin in und mit
sich. Lheilys hatten ihnen allen einen Teil ihrer göttlichen Macht
mitgegeben, gebannt in einen Gegenstand, der ihre Zuneigung
widerspiegelte. Die drei Heiligen Artefakten bedeuteten einen großen
Gewinn für den Kampf der Hohen Priester. Sie hatten die Fähigkeit, ein
Wesen böser Gesinnung sofort zu vernichten, ohne Chance auf Gegenwehr.
Es gab jedoch etwas, das Lheilys den Hohen Priestern verschwieg. Statt
die Feinde zu vernichten, wurden sie in das Heilige Artefakt gebannt.
Lheilys Kräfte schwanden, als der Druck, der vom Inneren der Heiligen
Artefakte ausging, stärker wurde. An Vidéndurs See sammelte sie die
Hohen Priester um sich. Die Drei bildeten einen Schutzkreis um die Göttin,
während Lheilys selbst die Feinde aus ihrem Gefängnis entließ und sie
im selben Augenblick in ihrem Herz einschloss. Damit hatte sie ihre
letzte Kraft verbraucht. Lheilys fiel und die Erinnerung an sie
verblassten im Gedächtnis der einstigen Anhänger.
Damien
Goldklang, Hofbarde im Hause Barun’Del
Im Jahr des Kleinen Lindwurms |