Rote Rosen für die Königin

Rote Rosen für die Königin
Bringt der Prinz der Menschenwesen
Rote Rosen dem Verderben hin
Zehn sind's an der Zahl gewesen

Zwei sind gleich am Weg verblüht
Hat er in dem Wald gelassen
Einen kalten Wind verspürt
Doch sie bald darauf vergessen

Eine gab er einem Bauern
Als Geschenk für seine kranke Frau
Ach, wie würde sie sich freuen
Doch sie starb im Bett aus kaltem Heu

Eine musste er eintauschen
Für eine Mahlzeit in der Nacht
Da konnte er den Tieren lauschen
Ein Feuer hat er auch entfacht

Darin sind drei zugleich verbrannt
Während seine Hoheit schlief
Und der Mond am Himmel stand
Blutrot dem Westen entgegenlief

Endlich, nach so langer Reise
Kam er in das königliche Land
Dort, auf ungeklärte Weise
Entschwand die achte Rose seiner Hand

Am letzten, sternenklaren Abend
Kam der Feenkönig zum schlafenden Prinzen
Segnete die eine, nahm die andere der Gaben
Der Gekrönte sollte nur noch eine finden

"Eine rote Rose für die Königin
Doch ihre Farbe ist verblasst
Eine Rose der Begehrten hin."
Sprach der Prinz bei seiner Rast

Und so sticht er mit den Dornen
In die Finger, dass er blutet
Wie es wissen längst die Nornen
Und das Rot die Blütenblätter flutet

"Eine Rose für die Königin
Rot ist sie gar wunderbar
Aus dem besten meiner Gärten
Bringe ich der Edlen dar."

Sprach der Prinz zu seiner Holden
Als er sie sah im hohen Heim
Im Königssaal, gar prächtig, golden
Im ehrenvollen Beisammensein

"Die Rose trank das Blut von Euren Händen,"
Sprach die edle Königin
"so soll es sich nun mir zuwenden."
Und ging zu ihrem Prinzen hin