Gerdi M. Büttner: Blutsfreunde

Klappentext: Schottland, Anno 1768... Nach einem folgeschweren Streit mit seinen Stiefbrüdern flieht der junge Daniel Kenneth überstürzt von der elterlichen Burg. Kurz darauf findet er Aufnahme bei einem Wanderzirkus. Nach einiger Zeit plagen ihn sehr reale Träume, in denen ihn ein Fremder um Hilfe bittet. Daniel entdeckt, dass der fremde Mann in einem der Zirkuswagen gefangen gehalten wird und beschließt, ihn zu befreien. Schon bald nach der Rettung wird ihm klar: Nicholas Krolov umgibt ein düsteres Geheimnis...

Schottland im 18. Jahrhundert. Der junge Daniel Kenneth wuchs gut behütet in der familiären Burg auf. Doch als sein Vater von Wegelagerern ermordet wird, ändert sich sein Leben schlagartig. Seine Mutter heiratet den ehemaligen Geschäftspartner ihres Gatten, den jedoch weniger die Liebe, als der Wert des Guts treibt. Als dieser nach der Heirat erkennt, dass laut dem Testament das gesamte Vermögen in Daniels Besitz übergehen wird (und bei seinem etwaigen Tod auf die Kirche übertragen wird), macht er Daniel das Leben zur Hölle. Besonders seine beiden Söhne George und Ken haben es auf Daniel abgesehen.
So sieht dieser eines Tages den einzigen Ausweg in der Flucht. Er kommt zu einem Zirkus, bei dem er dank seiner Begabung für Tiere arbeiten kann. Doch schon bald entdeckt er, dass der Zirkusdirektor in einem der Wagen einen Mann gefangen hält. Daniel beschließt, ihm zu helfen, nicht wissend, dass dieser ein Vampir ist. Doch aus der anfänglichen Angst entwickelt sich langsam eine tiefe Freundschaft.
 
Vampirromane sind ja vor allem in letzter Zeit zu einer großen Beliebtheit gelangt. Auf viele Leser wirken die nachtaktiven Blutsauger eine Faszination der besonderen Art aus. Interessant ist hierbei immer die Art, wie sie dargestellt werden. Von mordgierig über erotisch bis hin zu liebevoll war schon so ziemlich alles da. Und gerade diese Komponente der Darstellung ist es, die mir bei "Blutsfreunde" besonders gefallen hat. Nicholas ist ein Vampir, der nur tötet, weil er es muss. Er ist "menschlich". Im Zentrum des Romans steht weder eine actionreiche Handlung, noch eine epische Weltrettung. Die Geschichte spielt sich im Kleinen ab und es geht rein um die wunderschöne Freundschaft, die sich zwischen Nicholas und Daniel entwickelt. Durch die Beschränkung auf die kleine und eigentlich sehr persönliche Sache hängt man als Leser nur noch mehr an den Beiden. Man freut sich, wenn man sieht, wie die Freundschaft langsam wächst und bekommt selbst einen kleinen Stich ins Herz, als sie zu zerbrechen droht. Die gefühlvolle Art, wie Gerdi M. Büttner "Blutsfreunde" erzählt, lässt die Geschichte zu etwas ganz Besonderen werden und ich freue mich schon auf weitere Bände.

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Michael Ende: Die unendliche Geschichte

Klappentext:
TU WAS DU WILLST lautet die Inschrift auf dem Symbol der unumschränkten Herrschaftsgewalt in Phantásien. Doch was dieser Satz in Wirklichkeit meint, erfährt Bastian erst nach langem, mühevollem Suchen.

Der junge Bastian Balthasar Bux wird von seinen gleichaltrigen Mitschülern regelmäßig verspottet und regelmäßig durch die Gegend gejagt, und das nur, weil die Natur ihm nicht das Aussehen und den Körper eines Boyband-Pop-Sternchens gegeben hat. Auf einer dieser Hetzjagden sucht Bastian Zuflucht in einem Antiquariat, dessen Besitzer gerade ein Buch liest. „Die unendliche Geschichte“ steht auf dem Umschlag. Und weil Bastian ein Bücherwurm ist und das Buch so interessant aussieht, nimmt er es kurzerhand mit, legt sich auf den Speicher seiner Schule und beginnt zu lesen. 

Es gibt wohl nur wenige, die diese Geschichte nicht kennen, nicht zuletzt von den Verfilmungen und Serien.  Aber nur ein Bruchteil davon hat wahrscheinlich das Buch gelesen, das den Filmen zu Grunde liegt. Auch ich habe mich lange davor gedrückt, obwohl ein Exemplar des Buches stets vor meinen Augen in der Schulbibliothek lag. Es war von derselben Ausgabe wie das, das jetzt in meinem Bücherregal steht: Ein rotes Buch mit einem grauen, schön verzierten Schutzeinband, dessen Seiten mit Rot und Grün bedruckt sind und dessen Kapitel mit verschlungenen Anfangsbuchstaben versehen sind. Also eine wunderschöne Aufmachung, die der nachempfunden ist, die im Buch selbst beschrieben wird.

Das habe ich mir also gekauft, nachdem mir die Schulbibliothek nicht mehr zugänglich war. Und nachdem ich es gelesen hatte, verstand ich auch, was andere meinten, wenn sie sagten, dass die Filme das Buch verhackschnetzelt haben. Ich stimme aus ganzem Herzen zu. Auf jeden Fall bin ich froh, nicht zu den Menschen zu gehören, die glauben, nach einem Film das Buch zu kennen (bzw. umgekehrt). Das Grundgerüst und das Grundthema, das „Die unendliche Geschichte“ ausmacht, wurden zwar übernommen, aber zahlreiche Szenen und v.a. die Essenz des Grundthemas („Tu was du willst“) wurden geändert, wodurch einiges vom Zauber des Buches verloren ging.

Michael Ende entführt den Leser in eine wundersame Welt und zeigt ihm diese aus zwei Perspektiven – der ihrer Bewohner und der Bastians. Man kann sich nur schwer entscheiden, für wen man mehr sympathisieren soll, während die Ereignisse sich entwickeln. Einerseits sind Bastians Wünsche und sein daraus resultierendes Verhalten verständlich (und wer dagegen Einspruch erhebt sollte vorher einmal ehrlich mit sich selbst sein =), andererseits würde man ihn dafür am liebsten schlagen, damit er zur Besinnung kommt. Aber ich will nichts verraten, nur dass die Geschichte wirklich einen fast völlig anderen Lauf nimmt als der Film und dass die Hardcover-Ausgabe jeden einzigen Cent wert ist, schon alleine wegen der – wie schon gesagt – wunderwunderschönen Aufmachung. Ich will mehr Bücher, die so liebevoll gestaltet sind!

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Catherine O'Donell: Der verbotene See

Klappentext: Seit langer Zeit herrscht Krieg zwischen den Königreichen Fiann und Caernadon. Eine uralte Prophezeiung besagt, dass nur eine Tochter aus dem mystischen Schwanenvolk, das versteckt auf einer nebelverhangenen Insel lebt, die streitenden Reiche einen kann. Auch Eirion, die Adoptivtochter der Königin von Caernadon, kennt diese Geschichte - aber sie ahnt nicht, dass sie die Heilsbringerin ist und mächtige Feinde seit langem darauf warten, sie vernichten zu können.

Einst gab es auf Ork Nuado sieben Reiche der Unschuld. Durch Zwietracht wurden jedoch sechs von ihnen zerstört. Nur das Reich des Schwanenvolks, Anguli, besteht noch. Das Schwanenvolk besteht aus mystische Wesen, die ihre Körperform zwischen denen eines Menschen und denen des Schwans wechseln können. Doch auch in Anguli beginnt sich das Gift, das die anderen Reiche der Unschuld zerstört hat, langsam einzuschleichen. Zu dieser Zeit wird dem Königspaar eine Tochter geboren. Das Schicksal bestimmt, dass ihr Platz nicht in Anguli ist, sondern bei den Menschen. So wird das Kind in einem Körbchen dem Fluss übergeben, wo es schließlich von einem alten Fischer im Lande Caernadon gefunden wird. Er und seine Tochter bringen es zum kinderlosen Königspaar von Caernadon, die das Mädchen aufnehmen. Es wird auf den Namen Eirion, die Mondgeborene, getauft.
Die Welt, in der Eirion aufwächst, steht ihr feindlich gegenüber. Aufgrund ihrer ungewissen Herkunft und ihres Aussehens, das für die Bevölkerung Caernadons ungewöhnlich ist - rote Haare und stechende, grüne Augen -, wird sie von den Bewohnern des königlichen Schlosses gemieden. Hinzu kommt, dass in Caernadon die Magie, die für das Schwanenvolk selbstverständlich ist, verboten ist, im Gegensatz zu Fiann, aus dem die Königin und Eirions Adoptivmutter stammt. Doch niemand ahnt, was für eine große Aufgabe das Schicksal dem Schwanenkind gestellt hat. Denn Eirion soll laut einer alten Prophezeiung die einzige sein, die die streitenden Reiche einen kann.

"Der verbotene See" von Catherine O'Donell ist der erste Band der Trilogie der Streitenden Reiche. Im Zentrum steht Eirion, ein Kind des Schwanenvolks von Anguli. Bei ihrer Geburt beginnt die Geschichte, die sie durch Ork Nuado führt. Dabei verwebt Catherine O'Donell zahlreiche Nebencharaktere mit in die Handlung. Diese Personen sind in ihrer Art oft sehr vielschichtig, was zu einer komplexen Geschichte beiträgt. Leider bleiben dabei auch manche Punkte auf der Strecke. Gerade durch die Menge an agierenden Charakteren können diese teilweise auch nur sehr oberflächlich behandelt werden. Das "Warum?" hinter manchen Handlungen bleibt dem Leser von Zeit zu Zeit verschlossen. Wenn dies nur bei Charakteren vorkommen würde, die einmal auftreten und dann wieder verschwinden, wäre es noch erträglich. Aber wenn es - wie in diesem Fall - bei der besten Freundin der Protagonistin passiert, wünscht man sich doch, die Autorin hätte noch ein paar Seiten hinzugefügt, um einige Situationen klarer darzustellen.
Abgesehen davon ist das Buch allerdings durchaus gut und empfehlenswert. Vom Stil her erinnert es an Marion Zimmer-Bradley, denn wie bei ihren Romanen wird ein Hauptaugenmerk auf die weiblichen Rollen gelegt, jedoch nicht ganz so stark. Catherine O'Donell bringt in ihre Fantasy-Welt einige interessante Ideen und baut sie so ein, dass sie über die gesamte Länge des Buches Spannung erzeugen. Man kann nur hoffen, dass sie dies auch in den folgenden zwei Bänden weiterführt.