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Neil Gaiman: Neverwhere ("Niemalsland")
Klappentext:
Richard Mayhew is a plain man with a good heart - and an ordinary life
that is changed forever on a day he stops to help a girl he finds
bleeding on a London sidewalk. From that moment forward he is propelled
into a world he never dreamed existed - a dark subculture flourishing in
abandoned subway stations and sewer tunnels below the city - a world far
stranger and more dangerous than the only one he has ever known...
Richard Mayhew ist ein ganz normaler Londoner. Bis er eines Tages mit
seiner Verlobten und seinem Boss essen gehen will. Auf dem Weg zum
Restaurant sieht Richard ein junges Mädchen auf der Straße, schmutzig
und blutend. Seine Verlobte drängt darauf, das Mädchen zu ignorieren.
Richard denkt jedoch gar nicht daran, sondern nimmt sich mit nach Hause,
um sich erst einmal um sie zu kümmern. Am nächsten Morgen stehen zwei
Männer vor der Tür, die das Mädchen suchen. Sie geben vor, ihre Brüder
zu sein. Das Mädchen, mit dem ungewöhnlichen Namen Door, hat Richard
schon vor ihnen gewarnt. Doch die Warnung nützt nichts, während sie
sich im Badezimmer versteckt, verschaffen sie die Männer gewaltsam
Eintritt. Und als sie das Badezimmer betreten ... finden sie nichts. Und
als sie wieder gegangen sind, taucht das Mädchen wieder aus dem Nichts
auf. Bedankt sich, rät Richard, sich nicht mehr in die Sache
einzumischen, und verschwindet.
Es scheint jedoch, dass Richard sich schon zu sehr eingemischt hat. Als
er in der Arbeit ankommt, erkennt ihn niemand mehr. Die meisten Leute
scheinen ihn nicht einmal zu sehen. Seine Wohnung wird an einen anderen
vermietet und er sitzt auf der Straße, ohne Geld - seine Kreditkarte
ist gesperrt, da er offensichtlich aufgehört hat, zu existieren - und
ohne irgendeine Idee, was geschehen sein könnte, oder wie er es wieder
rückgängig machen könnte. Hinzu kommt, dass die beiden Männer ihn
jetzt anscheinend auch jagen. Also macht er sich auf die Suche nach der
einzigen Person, die Licht in die Sache bringen könnte - Door. Diese
Suche gestaltet sich jedoch nicht so leicht, wie angenommen. Richard
muss in das andere London gehen, das London, das unter
"seinem" London existiert, Unter-London. Das London, in dem
noch das Gesetz des Stärkeren herrscht, in dem Knightsbridge nicht
einfach Knightsbridge ist und Islington keine U-Bahn-Station, sondern
ein Engel...
Mit Neverwhere hat Neil Gaiman ein Fantasy-Buch der anderen Art
geschrieben. Findet man in der heutigen phantastischen Literatur hauptsächlich
Geschichten aus anderen Welten, in denen Magie und Schwert, Elfen und
Zwerge herrschen, so führt Neil Gaiman den Leser in ein phantastisches
London, das so vollkommen verschieden von dem London ist, das wir
kennen. Er füllt sein London mit einem Ideenreichtum, der mich als
Leser einfach nur erstaunt hat - nicht selten habe ich vor Erstaunen die
Augen aufgerissen oder laut losgelacht. Zahlreiche phantasievolle
Wortspiele mit den U-Bahn-Stationen, die im Mittelpunkt des Geschehens
stehen, sind quer durch das Buch verteilt. So wird z.B. aus
Knightsbridge Nightsbridge, eine Brücke, die unvorsichtige Wanderer in
der Dunkelheit verschlingt, in Earl's Court gibt es einen unterirdischen
Hofstaat, der in einer U-Bahn angesiedelt ist, usw.
In dieser wundervollen Umgebung siedelt Neil Gaiman seine genauso
wundervolle Geschichte an. Die teilweise absurden Charaktere und
Geschehnisse erinnern etwas an Alice in Wunderland, nur dass mir persönlich
Neverwhere noch um einiges besser gefallen hat. Die Charaktere sind
stark ausgeprägt, haben alle ihre kleinen Macken, die man mit der Zeit
lieb gewinnt. Im Verlauf der Handlung fiebert man immer mehr mit Door,
die Türen erschaffen und öffnen kann, mit. Ebenso mit Richard, dem Außenseiter
und doch Bewohner Unter-Londons, dem seltsamen Marquis von Carabras und
vielen weiteren ungewöhnlichen Gestalten, so dass der Roman
letztendlich viel zu kurz ist und man sich wünscht, dass die 400 Seiten
mindestens doppelt so viele wären.
Und die Tatsache, dass ich beim Schreiben dieser Rezension am liebsten
gleich wieder zu dem Buch greifen würde, um es endlich noch einmal zu
lesen, und dass ich gar nicht weiß, welchen Aspekt des Buches ich am
meisten loben will, sagt eigentlich schon mehr als jede Empfehlung. Es
ist wirklich schade, dass es nicht viel mehr Autoren wie Neil Gaiman
gibt. Ich bin sicher, sie würden unser Leben noch viel
abwechslungsreicher und schöner gestalten, alleine mit den Worten, die
sie aufs Papier bringen.
Und bevor ich's vergesse: Wenn es nur irgendwie geht, besorgt euch die
Originalversion. Meine Informanten haben zwar gesagt, dass die Übersetzung
sehr gut ist, aber einige Wortspiele kann man meines Erachtens gar nicht
ins Deutsche übersetzen, ohne dass etwas verloren geht (ich denke da
nur schon wieder an Knightsbridge =). |