Mark Anthony: Das Ruinentor ("The Last Rune")

Klappentext:
Mit einem Wanderprediger kommt das Unheil nach Castle City. Das muss auch Travis Wilder feststellen, der nur eine Schatulle für einen Freund aufbewahren soll und plötzlich von unheimlichen Schattenwesen gejagt wird. Zur gleichen Zeit entdeckt die Ärztin Grace Beckett bei der Operation eines Schwerverletzten, dass dieser ein Herz aus Eisen in der Brust trägt. In Castle City wird Grace bereits erwartet, von einem Prediger, der sie durch ein magisches Tor in eine fremde Welt führt - das Land Eldh, in das es auch Travis verschlagen hat. Hier herrscht noch Mittelalter, und die Menschen haben Angst. Die Rückkehr des Fahlen Königs steht bevor...

Mark Anthony ist der einzige Fantasy-Autor den ich kenne, der in einem seiner Bücher das Thema Homosexualität behandelt. Im Verlauf der Geschichte wird dieses "Problem" immer deutlicher (Problem daher, weil es für die Beteiligten moralische Schwierigkeiten mitbringt). Anhand der mittelalterlichen Kulisse sieht man doch den Zwiespalt, den die Wahrheit für Travis und Grace bedeutet.

Im Englischen ist der Titel "The last Rune: Beyond the pale, Part 1", danach kommt "The last Rune: Beyond the pale, Part 2" ("Der fahle König"). Mit dem zweiten Buch ist die erste Geschichte abgeschlossen, auch wenn die Ereignisse noch in der Zukunft ihr Wirkung zeigen. "The last Rune: Into the fire, Part 1/2" ("Der Runensteinturm", "Die Flammenfestung") sind die beiden letzten Bücher, die bisher erschienen sind und erzählen die Geschichte der Flammenpest, die in beiden Welten - Eldh und der Erde - ihre Opfer fordert.

Mehr über diese Buchreihe gibt es auf www.thelastrune.com, der Homepage von Mark Anthony.

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Peter S. Beagle - Das letzte Einhorn ("The Last Unicorn")

Bei diesem Buch möchte ich mich den Worten von Christian Ferber anschließen: "Ein kleiner Roman, eine große Geschichte, eine Märchenlegende, eine liebenswürdige und phantastische Ausschweifung mit einigem Hintergrund. Abenteuer und Gleichnis, vor allem aber, dank Beagle, das erquickliche Buch eines Poeten von Geblüt - spannend, wie eine Saga zu sein hat, und beruhigend wie die letzte Geschichte am letzten Feuer, das Menschen entzünden."

Klappentext:
Das letzte Einhorn, ein Geschöpf von ursprünglicher Anmut, verlässt seinen in ewigem Frühling blühenden Fliederwald, begibt sich auf die Landstraße, dringt in die Zeit, um das Schicksal seiner entschwundenen Artgenossen zu erkunden. Auf der abenteuerlichen Expedition wird es begleitet von Schmendrick, einem drittklassigen Zauberer, und von Molly Grue, der ehemaligen Lagergefährtin eines verhinderten Edelräubers. Das seltsame Trio muss bald erkennen, dass die Erkundungsfahrt nicht ohne Kampf und äußerste Gefahr beendet werden kann. Es gilbt, dem Roten Stier zu begegnen, der unter König Haggards verfluchtem Schloss haust.

Was mich mit diesem Buch verbindet, ist die Erinnerung meiner Kindheit. Es war immer zu Weihnachten, dass der Zeichentrickfilm ausgestrahlt wurde, und er wird es heute noch. Damals - wie auch heute - habe ich es nie versäumt. Die Bilder sind vielleicht nicht besonders schön gezeichnet (zugegeben, es gibt trotzdem noch schlimmere), doch verbinden sie sich mit der Geschichte und v.a. der Musik, die doch sehr bekannt ist (so gut wie jeder hat schon einmal "The Last Unicorn" von America gehört, oder wenigstens die Coverversion). 

Und so hat sich eines Tages in meinen Gedanken die Idee festgesetzt, endlich auch einmal das Buch zu lesen. Also bestelle ich das Buch und nach wenigen Tagen halte ich das Paket mit dem kostbaren Inhalt in meinen Händen - und nach einer mehr oder weniger kleinen Kraftprobe auch das Buch. Das erste, was mir aufgefallen ist, war das Cover. Ich glaube, ich war regelrecht geschockt: Betrachtet man heutzutage das Cover eines Fantasybuches, ist es zumeist ein wahrscheinlich sehr teures, schön anzusehendes Bild . Doch diesmal war es ein einfacher, orangefarbener Hintergrund mit einer Frühlingsblume, die ich nicht kannte. In einem kleinen Kreis unter dem Titel war das Bild einer Frau (mit einem weißen Horn auf der Stirn), das sehr alt wirkte. If you judge a book by the cover... Nun, mittlerweile sehe ich mir von den meisten Büchern am liebsten diesen Cover an.

Ich begann natürlich sofort zu lesen und  die Handlung, obwohl ich sie schon kannte, fesselte mich so sehr, dass ich am späten Abend fertig war und mit einem Glücksgefühl in meinem Herzen die letzten Zeilen immer wieder las.

Ich erzählte vorhin von den Bildern des Zeichentrickfilms und ihrem Stil. Und so wie diese Bilder sind, ist auch die Sprache in diesem Buch. Peter S. Beagle erreicht vielleicht nicht die sprachliche Qualität von Wolfgang Hohlbein, die Sätze wirken oftmals plump und schlecht formuliert, doch so wie bei Hohlbein-Büchern liegt auch bei Beagle eine gewisse Magie in der Geschichte. Und manchmal kommen im Letzten Einhorn Sätze vor, die ich bei Hohlbein vermisse. Dann denke ich mir: Hier kommt der Dichter heraus.

"...als wäre sie eine Dryade und die Zeit ihr Baum.

"Der beste Fluch des besten Fachmanns, ob geflüstert oder gedonnert, hat keine Wirkung auf ein reines Herz.

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Neil Gaiman: Neverwhere ("Niemalsland")

Klappentext:
Richard Mayhew is a plain man with a good heart - and an ordinary life that is changed forever on a day he stops to help a girl he finds bleeding on a London sidewalk. From that moment forward he is propelled into a world he never dreamed existed - a dark subculture flourishing in abandoned subway stations and sewer tunnels below the city - a world far stranger and more dangerous than the only one he has ever known...

 
Richard Mayhew ist ein ganz normaler Londoner. Bis er eines Tages mit seiner Verlobten und seinem Boss essen gehen will. Auf dem Weg zum Restaurant sieht Richard ein junges Mädchen auf der Straße, schmutzig und blutend. Seine Verlobte drängt darauf, das Mädchen zu ignorieren. Richard denkt jedoch gar nicht daran, sondern nimmt sich mit nach Hause, um sich erst einmal um sie zu kümmern. Am nächsten Morgen stehen zwei Männer vor der Tür, die das Mädchen suchen. Sie geben vor, ihre Brüder zu sein. Das Mädchen, mit dem ungewöhnlichen Namen Door, hat Richard schon vor ihnen gewarnt. Doch die Warnung nützt nichts, während sie sich im Badezimmer versteckt, verschaffen sie die Männer gewaltsam Eintritt. Und als sie das Badezimmer betreten ... finden sie nichts. Und als sie wieder gegangen sind, taucht das Mädchen wieder aus dem Nichts auf. Bedankt sich, rät Richard, sich nicht mehr in die Sache einzumischen, und verschwindet.
Es scheint jedoch, dass Richard sich schon zu sehr eingemischt hat. Als er in der Arbeit ankommt, erkennt ihn niemand mehr. Die meisten Leute scheinen ihn nicht einmal zu sehen. Seine Wohnung wird an einen anderen vermietet und er sitzt auf der Straße, ohne Geld - seine Kreditkarte ist gesperrt, da er offensichtlich aufgehört hat, zu existieren - und ohne irgendeine Idee, was geschehen sein könnte, oder wie er es wieder rückgängig machen könnte. Hinzu kommt, dass die beiden Männer ihn jetzt anscheinend auch jagen. Also macht er sich auf die Suche nach der einzigen Person, die Licht in die Sache bringen könnte - Door. Diese Suche gestaltet sich jedoch nicht so leicht, wie angenommen. Richard muss in das andere London gehen, das London, das unter "seinem" London existiert, Unter-London. Das London, in dem noch das Gesetz des Stärkeren herrscht, in dem Knightsbridge nicht einfach Knightsbridge ist und Islington keine U-Bahn-Station, sondern ein Engel...
 
Mit Neverwhere hat Neil Gaiman ein Fantasy-Buch der anderen Art geschrieben. Findet man in der heutigen phantastischen Literatur hauptsächlich Geschichten aus anderen Welten, in denen Magie und Schwert, Elfen und Zwerge herrschen, so führt Neil Gaiman den Leser in ein phantastisches London, das so vollkommen verschieden von dem London ist, das wir kennen. Er füllt sein London mit einem Ideenreichtum, der mich als Leser einfach nur erstaunt hat - nicht selten habe ich vor Erstaunen die Augen aufgerissen oder laut losgelacht. Zahlreiche phantasievolle Wortspiele mit den U-Bahn-Stationen, die im Mittelpunkt des Geschehens stehen, sind quer durch das Buch verteilt. So wird z.B. aus Knightsbridge Nightsbridge, eine Brücke, die unvorsichtige Wanderer in der Dunkelheit verschlingt, in Earl's Court gibt es einen unterirdischen Hofstaat, der in einer U-Bahn angesiedelt ist, usw.
In dieser wundervollen Umgebung siedelt Neil Gaiman seine genauso wundervolle Geschichte an. Die teilweise absurden Charaktere und Geschehnisse erinnern etwas an Alice in Wunderland, nur dass mir persönlich Neverwhere noch um einiges besser gefallen hat. Die Charaktere sind stark ausgeprägt, haben alle ihre kleinen Macken, die man mit der Zeit lieb gewinnt. Im Verlauf der Handlung fiebert man immer mehr mit Door, die Türen erschaffen und öffnen kann, mit. Ebenso mit Richard, dem Außenseiter und doch Bewohner Unter-Londons, dem seltsamen Marquis von Carabras und vielen weiteren ungewöhnlichen Gestalten, so dass der Roman letztendlich viel zu kurz ist und man sich wünscht, dass die 400 Seiten mindestens doppelt so viele wären.
Und die Tatsache, dass ich beim Schreiben dieser Rezension am liebsten gleich wieder zu dem Buch greifen würde, um es endlich noch einmal zu lesen, und dass ich gar nicht weiß, welchen Aspekt des Buches ich am meisten loben will, sagt eigentlich schon mehr als jede Empfehlung. Es ist wirklich schade, dass es nicht viel mehr Autoren wie Neil Gaiman gibt. Ich bin sicher, sie würden unser Leben noch viel abwechslungsreicher und schöner gestalten, alleine mit den Worten, die sie aufs Papier bringen.
 
Und bevor ich's vergesse: Wenn es nur irgendwie geht, besorgt euch die Originalversion. Meine Informanten haben zwar gesagt, dass die Übersetzung sehr gut ist, aber einige Wortspiele kann man meines Erachtens gar nicht ins Deutsche übersetzen, ohne dass etwas verloren geht (ich denke da nur schon wieder an Knightsbridge =).